Das Gründungsprotokoll wurde 1903 in Kurrentschrift geschrieben. Der unten wiedergegebene Text ist die Transposition mit allen im Originaltext verwendeten Abkürzungen und Satzzeichen.
Im Jahre 1902 ist in einer Sitzung des Kirchengemeinderats der Wunsch ausgesprochen worden, der K. G. Rat möge an die bürgerl. Kollegien eine Bitte richten behufs Einführung einer Krankenpflegerin in die Sindelfinger Gemeinde. Die Mitglieder des Kollegiums waren mit
dem Antragsteller einverstanden; es wurde daher an die bürg. Kollegien der Antrag gestellt, sie möchten zur Anstellung einer Krankenpflegerin die nötigen Mittel auswerfen. Die Antwort des Gem. Rats lautete folgendermaßen. „Der Gem. Rat erklärt, daß er „bei den großen Aufgaben, bes. auch für das Krankenhaus nicht in der Lage sei, die Organisation selbständig von der Gemeinde aus & auf Kosten derselben zu schaffen, sosehr er die Bestellung einer Krankenschwester als eine schöne & nützliche Sache betrachtet.
Der GemRat regt an, ob nicht durch Gründung eines Krankenpflegevereins das Ziel erreicht werden könnte, in welchem Fall die Gemeindecollegien im voraus einem Jahresbeitrag von 150 M zusichern.“ Der Kirchengemeinderat überließ es dem Antragsteller StPfr Rheinwald, weitere Schritte in der Sache zu tun.
Im Dezbr 1902 fand eine Besprechung mit Mitgliedern der kirchl. bürgerl. Kollegien, den hieß. Ärzten & a. Herren statt. Sämtliche Anwesende waren mit dem Vorschlag einverstanden, behufs Gründung eines Krankenpflegevereins sowie zur Belehrung & Weckung des Interesses für diese Sache bei den Gemeindegliedern Herrn Pfarrer Drillinger am Mutterhaus der Olgaschwestern zu bitten im Jan. 1903 ein Vortrag über die Diakonissensache zu halten. Diese Versammlung fand am 23. Januar 03 im Gasth. z. Hirsch statt. Eingeladen wurde durch Anzeigen im Böbl. Boten u. in der Sindelf Zeitung.
Nach dem Vortrag constituierte sich sogleich der Krankenpflegeverein, dem 60 der Anwesenden beitraten. Es wurde ein provis. Ausschuß gewählt, dem folgende Herren angehören:
Stadtpfarrer Hettering Fabrikant Dietzsch
Stadtpfarrer Rheinwald Fabrikant G. Dinkelacker
Stadtschultheiß Hörmann Gem. Rat R. Nißler
Stadtarzt Dr. Kurz K. Gem. Rat Stäbler
Stadtarzt Dr. Vogel
Der jährliche Beitrag wurde auf 2 Mark festgelegt.
Daneben gab es Gebühren für die Inanspruchnahme der Dienste der Schwester.
Die Taxe beträgt für Mitglieder: (M. Mark, ₰=Pfennige):
für einen vollen Tag 50 ₰
für einen halben Tag 25 ₰
für eine Stunde 10 ₰
für eine Nachtwache 60 ₰
für einen Tag & 1 Nacht zus[ammen] 1 M.
Nichtmitglieder zahlen das doppelte. Unbemittelten kann die Taxe ganz oder teilweise vom Ausschuß nachgelassen werden.